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Charaktere

Charaktere

Jeder Band Freiheitsliebe enthält Skizzen von Personen, die ich faszinierend finde.

Durchweg kann ich ihnen etwas für die Freiheit abgewinnen.

Mir ist nicht wichtig, ob es sich um liberale Säulenheilige oder konsequente Liberale handelt.

Vielmehr inspirieren mich die Menschen mit Charakter durch ihre proportionierlichste Bildung ihrer Kräfte. 

Drei Auszüge, je eins aus jeder Freiheitsliebe:

Henry Hazlitt: Selbstbildung und Standhaftigkeit

Am 29. November 1964 kamen im New York University Club namhafte Liberale zusammen. Sie hielten Vorträge zu Ehren eines Jubilars, der gerade ein Buch über die Grundlagen der Moral publiziert hatte. Ludwig von Mises würdigte ihn in seinem Grußwort: „In dieser Zeit des großen Ringens für Freiheit und eine Gesellschaft, in der Menschen als freie Menschen leben können, sind Sie unser Anführer.“ Anlass war der siebzigste Geburtstag eines der größten Freiheitspublizisten: Henry Hazlitt. 2014 jährte sich sein Geburtstag zum 120. Mal, 
zugleich liegt sein Todestag erst 24 Jahre zurück – klassische Liberale werden alt und geraten in Vergessenheit.

Henry Hazlitt war ein Autodidakt, ein echter Selfmademan, der sein Leben lang mit dem Selbststudium der Ökonomie und Wirtschaftspublizistik verbracht hat. Hazlitt war vielseitig tätig, als Literaturkritiker, Journalist und Herausgeber, Ökonom und Philosoph. Meilensteine sind seine Tätigkeiten für die New York Times von 1934 bis 1946 und anschließend für Newsweek, wo er zwanzig Jahre lang seine berühmte Kolumne „Business Tides“ schrieb. Als ökonomischer Publizist war er im 20. Jahrhundert vielleicht so brillant wie sein Vorbild Frédéric Bastiat im 19. Jahrhundert. 

1946 schrieb er in nur drei Monaten neben seinen journalistischen Verpflichtungen sein bekanntestes Buch: „Economics in one lesson“. Insgesamt wurden 700.000 Stück der ersten Auflage verkauft. Weltweit verkaufte sich die wirtschaftspolitische Einführung in die Grundprinzipien von Marktwirtschaft und Interventionismus bereits bis zum Ende der siebziger Jahre millionenfach. Die zeitlose Lektion lautet: Die Kunst guter Wirtschaftspolitik besteht darin, nicht nur die aktuellen, sondern vielmehr die langfristigen Wirkungen der Politik zu betrachten; zugleich gilt es, die Folgen der Politik nicht nur für eine Gruppe, sondern für alle Gruppen zu berücksichtigen, weshalb gute Wirtschaftspolitik allgemeingültig sein muss. Offenkundig können staatliche Eingriffe zwar kurzfristig 
erwünschte Zustände bewirken, langfristig stiften sie aber 
immensen Schaden, der über das Ausmaß des beklagten, aus­lösenden Zustandes weit hinausgeht. Mindestlöhne sind ein Beispiel. Hazlitt wurde vom Erfolg des Buches überrascht. Friedrich August von Hayek bezeichnete es als „brillant“; er kenne kein Buch, von dem man so viel über die Grundsätze der Ökonomie in so kurzer Zeit lernen könne. Henry Hazlitt war ein publizistisch begnadeter und fachlich bestechend konsequenter Verteidiger von Marktwirtschaft und Freihandel, Goldstandard und klassisch liberalen Prinzipien. …


Rush: „The Lyrics Set Me Free“

„Life, Liberty and the Pursuit of Excellence“ zeichnen die kanadische Rockband Rush aus – dieser Ansicht sind Fans wie der Autor der gleichnamigen Band-Biographie, Robert Freedman. 

Rush gelten als libertär. Dieser Ruf stammt vor allem aus ihrer Gründungs- und Durchbruchzeit. Der Drummer und Songwriter Neil Peart pries Ayn Rand als brilliante Frau und Denkerin sowie exzellente Autorin. Das Album „2112“ gilt als musikalische Realisierung von Rands Buch „Anthem“ und markierte Durch­bruch und Verkaufserfolg der Band zugleich. 

Rush lässt sich indes eher als klassisch liberal charakterisieren. Die Rand-Zeit ist Geschichte. Und wichtiger als eine politische Etikettierung ist die individualistische Haltung der Band – im persönlichen Sinne und nicht isoliert, sondern gerade im individuellen Miteinander. Die individualistischen Werte von Rush betont auch der klassisch liberale Ökonom Steven Horwitz, der sogar einen Aufsatz über Rush publiziert hat. 

Nach 40 Jahren haben Rush, die 2013 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurden, keinen Ruf mehr zu verlieren. Ihre Texte sind als philosophisch „sophisticated“ anerkannt und gelten zuweilen als inspirierender Einstieg in die Ideen von Aristoteles, Heraklit, Cicero, Seneca, Erasmus von Rotterdam, Adam Smith, Hemingway, Tolkien und anderen Selbstdenkern.

Tief verwurzelt in der westlichen Tradition von Humanismus und Individualismus stehen Rush für musikalische Exzellenz und Kreativität sowie politisch für die Würde des Menschen und das Misstrauen gegenüber Autoritäten. Dazu eine Kostprobe aus dem Album Hemispheres (1978): 

We can walk our road together
If our goals are all the same.
We can run alone and free

If we pursue a different aim.
Let the truth of love be lighted,
Let the love of truth shine clear.
Sensibility, armed with sense and liberty,
With the Heart and Mind united in a single perfect Sphere.Rush sind in Europa weniger bekannt als auf dem nord­amerikanischen Kontinent. Das Trio aus Toronto hat sich stets dem Mainstream entzogen und zugleich den Beweis erbracht, dass sich das auszahlt: musikalische Freude, Millionen Fans, Wohlfahrt für beide: Band und Zuhörer. …


Café Hayek: Don Boudreaux & Russ Roberts

Ein Besuch im Café Hayek lohnt sich immer. Dort bedienten zwei klare, kluge Köpfe die Besucher mit liberalen Köstlichkeiten: Donald J. Boudreaux, der ungekrönte König der Leserbriefe, und Russell Roberts, der Gastgeber von Econtalk. Beide sind Ökonomen, die zusammen mit anderen konsequenten Liberalen und Freunden der Österreichischen Schule an der George Mason University eine Heimat für interdisziplinäres, freiheitliches Denken geschaffen haben.

Café Hayek (www.cafehayek.com) ist ein Blog mit dem erläu-ternden Satz: Where Orders Emerge. Die spontane, emergent entstehende Ordnung ist eines, wenn nicht das zentrale Thema der Arbeiten von Friedrich August von Hayek. Der erste, noch verfügbare Eintrag stammt vom 13. April 2004 und handelt vom Konfiszieren westlicher Autos in Kuba. In Spitzenzeiten gab es über 100 Beiträge in einem Monat. Die Kategorien reichen von Adam Smith über Book, Charity, Crime und Environment bis Terrorism, Trade und Wal-Mart – insgesamt sind es ca. 100. Besonders innovativ und gelungen finde ich die Rubrik „Cleaned by Capitalism“, in der Don Boudreaux aufzeigt, wie und wo der Kapitalismus für eine saubere Welt sorgt.

Café Hayek ist ein ökonomisch orientierter, aber nicht auf das Wirtschaftliche beschränkter, konsequent liberaler Blog, der mindestens zwei drei Dinge bietet:

  1. Klarheit in einer ökonomisch konfusen und von Irrtümern geprägten Welt, 
  2. Einordnung von Details in das Gesamtbild der Ordnungen und Systeme, 
  3. liberale Welt- und Weitsicht mit einer Fülle von Hinweisen auf Erkenntnisse, die im Mainstream nicht auftauchen. 

Hilfreich ist, dass beide gute ökonomische Lehrer sind, die inspirieren. Beide sind auf ihre jeweils eigene Weise wertvolle Freiheitsfreunde, Freiheitsliebende und Beschützer der Freiheit.

Die spitze Feder

Donald J. Boudreaux, Jahrgang 1958, stammt aus einfachen Verhältnissen und wuchs in New Orleans auf. Er ist nicht nur libertärer Ökonom, sondern auch Jurist, war langjähriger Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der George Mason University in Fairfax, Virginia, zuvor Präsident des von Leonard Read gegründeten und von Henry Hazlitt mit geprägten Think Tanks „Foundation for Economic Education“ (FEE). Als Kolumnist der zweitgrößten Tageszeitung in Pennsylvania „Pittsburg Tribune-Review“ erreicht er seit Jahren eine große Leserschaft. Sein Lehrstuhl ist dem Studium der freien Markt-wirtschaft gewidmet – Martha and Nelson Getchell Chair for the Study of Free Market Capitalism. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Globalisierung, Handel, Recht und Öko-nomie sowie Kartellrecht.Don Boudreaux scheut sich nicht, mit Scharfsinn, logischer Konsequenz und pointierten Formulierungen täglich Irrtümer richtigzustellen …